Perejaslaw- Chmelnizki. Vom Fürstentum zur Wiege Russlands

Städte und Regionen der Ukraine


Wo sich der Dnjepr südlich von Kiew durch sanft gewelltes mittelukrainisches Hügelland windet, liegt Perejaslaw- Chmelnizki. Der Name der Stadt bedeutet "hat den Ruhm übernommen". Das heute unscheinbare Städtchen ist schon mehr als 1.000 Jahre alt, hat in der ukrainischen Geschichte einen großen Auftritt gehabt und ist heute ein Synonym für den Wissensdurst der Ukrainer.

907 n. Chr. wird Perejaslaw- Chmelnizki (Pereyaslav-Khmelnitsky) erstmals in Chroniken als eine der drei größten Städte der Kiewer Rus erwähnt - eine gut befestigte Burg an der südlichen Grenze der Kiewer Rus und ein leistungsfähiges Handwerks- und Handelszentrum.

  Als in der Kiewer Rus das Christentum (im Jahre 988 n. Chr.) Staatsreligion wurde, entstand in Perejaslaw- Chmelnizki ein religiöses Zentrum und Sitz des Metropoliten. Die ersten Steinkirchen der Kiewer Rus wurden hier errichtet. Diese religiöse Blüte endet 1027, als in Kiew die Sophienkathedrale eröffnet wird und der Metropolit den Hauptsitz der orthodoxen Kirche nach Kiew verlegt.

Im Jahre 1054 wird die Kiewer Rus nach dem Tode des Großfürsten Jaroslaws des Weisen unter seinen Söhnen aufgeteilt, es entstehen mehrere Fürstentümer, darunter das Fürstentum Perejaslaw- Chmelnizki, in welchem nun Wsewolod I. Jaroslawitsch regiert. Er baut das Städtchen zu einer Festung aus und gewährleistet der Rus den Schutz nach Süden vor Türken, Polowzern und anderen Nomaden.

Einen weiteren berühmten Auftritt hat die Festung am Dnjepr im Jahre 1187, als Fürst Volodymyr Hlybovych im Kampf gegen die angreifenden Polowzer schwer verletzt wird und seinen Verletzungen erliegt. Bei seinem Begräbnis in der Sankt Michaels Kirche, vermerkt später der Chronist Ipati in seinem Geschichtsbuch "Die Ereignisse der vergangenen Jahre": "… und es weinten um ihn alle Perelasjawer … um ihn grämte sich die ganze Ukraine…" (И плакали по ньому всі переяславці…За ним же країна багато тужила). Mit diesem Satz wird die Ukraine zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit namentlich erwähnt und führt heute wieder diese Bezeichnung.

Im Jahre 1239 wird Perejaslaw- Chmelnizki von den Mongolen eingenommen und dem Erdboden gleichgemacht. Es dauerte 200 Jahre, um die Stadt zu neuem Leben zu erwecken. Und 1482 wird sie vom Khan der Krimtataren Mengli Gerey erneut verwüstet. Dann wird es still um Perejaslaw- Chmelnizki.

Im 17. Jahrhundert, als die Kosaken das "Wilde Feld" zwischen Kiew und Moskau besiedeln, erfährt die Stadt am Dnjepr eine Renaissance. Massgeblich wirken dabei zwei Hetmane der Ukraine, Bogdan Chmelnizkij und Ivan Mazepa.

Als im Jahre 1654 die Kosaken gegen die polnischen Pane für ihre Unabhängigkeit zu Felde ziehen und von den überlegenen Polen in die Enge gedrängt werden, gehen Sie mit dem Moskowiterreich in Perejaslaw- Chmelnizki den danach benannten Vertrag ein. Der sichert den Kosaken den Beistand der Moskowiter und zunächst den Erhalt ihres Kosakenstaates zu. Der "Vertrag von Perejaslaw Chmelnizkij" wird heute in Moskau und Kiew gleichermaßen als der Gründungsmoment des russischen Reiches betrachtet.

Im späten siebzehnten und frühen achtzehnten Jahrhundert versucht der Hetman Iwan Mazepa, so viel Unabhängigkeit wie möglich für die Kosaken zu sichern, ihr Register und den Kosakenstaat zu erhalten. Unter Iwan Mazepa wurde Perejaslaw- Chmelnizki ein wichtiges kulturelles und politisches Zentrum - der Hetman gab Geld für Schulen, eine große Kirche und ein Kloster. Er schenkte diesem Kloster das sogenannte "Peresopnizker Evangelium", eine kirchliche Abhandlung aus dem 16. Jahrhundert, die bis in unsere Zeit von der orthodoxen Kirche als Reliquie verehrt wird. Noch heute legt jeder Präsident der unabhängigen Ukraine bei seinem Amtseid eine Hand zum Schwur auf dieses Werk.
 

Perejaslaw Chmelnizki Reisebuchtipp


Ukraine Reiseführer

 


Heute bewahrt Perejaslaw- Chmelnizki sein kulturelles Erbe. Viele interessante Architekturdenkmäler, darunter die Erlöser- Kirche (11. - 12. Jahrhundert), die St. Michael-Kirche (17. Jh.) und die Christi- Himmelfahrt- Kathedrale (17. bis 18. Jahrhundert) werden erhalten und restauriert. Darüber hinaus beherbergt die kleine Stadt mehr als 20 verschiedene Museen, was außergewöhnlich für die Ukraine ist, wenn man bedenkt, dass Perejaslaw- Chmelnizki nur eine Bevölkerung von etwa 30.000 Menschen hat.

Im Jahr 1964 wurde dort das Museum der Volksarchitektur eröffnet. Dieses Museum unter freiem Himmel bildet eine authentische Nachbildung eines ukrainischen Dorfes aus dem 18. Jahrhundert. Historische Hütten, Windmühlen, Schmieden, Gärten und Kirchen sind nur ein paar Dinge, die Reisende hier besichtigen können. Einen Spaziergang durch das Dorf führt vorbei an originalen Bauernhäusern mit Gärten und Blumen um die Häuser, mit weißen Wänden und Strohdächern. In den Häusern kann man historische Einrichtungsgegenstände und dekorative Tücher entdecken - genau so, wie es ursprünglich in den Häusern der einfachen Ukrainer aussah. Eine Sammlung steinerner Reliquien aus der skythischen Periode (sog. Babas) ist auch auf dem Gebiet des Museums versammelt.

Zu den interessantesten Museen gehören weiterhin das Museum der Trypillya- Kultur, das Museum der Kosaken, das archäologische Museum, das Museum für angewandte Kunst, das Scholem Alejchem Museum und ein dem großen ukrainischen Volksdichter Taras Schewtschenko gewidmetes Museum. Weiterhin kann man ein Brotmuseum, das Museum des Festlandtransportes, ein Postmuseum, ein Bienenzuchtmuseum, ein Museum der Weltallerforschung und ein Museum für traditionelle ukrainische Trachten und Kultur besuchen.

Ein besonderes Ereignis im Sommer ist das Ivan Kupala Fest, das auch in Perejaslaw- Chmelnizki begangen wird. Am Gedenktag zu Ehren Johannes des Täufers versammeln sich die Menschen auf Wiesen und am Ufer des Dnjepr, in traditionellen Trachten und mit gebundenen Blumenkränzen im Haar, und frönen teils dem christlichen Gebet, teils alten heidnischen Riten und Gebräuchen aus vorchristlicher Zeit. Dieses Fest ist in seiner Farbenpracht, der Fülle an Gesängen und der Lebensfreude der Menschen ein beeindruckendes Ereignis für jeden westlichen Touristen.

 

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