Der Peipussee

Singender Sand, artenreiche Natur und wechselvolle Geschichte im Osten Estlands


Im Osten Estlands bedeckt der Peipussee eine Fläche von mehr als 3.500 Quadratkilometern, bleibt aber mit einer maximalen Tiefe von 14,6 Metern angenehm flach. So kann er sich im Sommer auf komfortable 22 ° C erwärmen und friert im Gegenzug im Winter meist zu.

Eine besondere Bedeutung erhält der Peipussee durch seine Lage: Über die gesamte Nord-Süd-Ausdehnung stellt er die östliche estnische Grenze zu Russland dar, was ihn automatisch auch zur Außengrenze der EU macht. Hier treffen aber nicht nur zwei Länder zusammen, die einst gemeinsam zur Sowjetunion gehörten und heute gegensätzliche Positionen einnehmen, hier verläuft auch die Grenze zwischen katholischem und lutherischem Glauben auf der einen Seite und der russisch-orthodoxen Kirche auf der anderen Seite. Für Spannung ist also bereits seit Jahrhunderten gesorgt.

 

Wundervolle Natur für Kenner - der Peipussee

Als fünftgrößter See Europas misst der Peipussee von Nord nach Süd 143 Kilometer und in der Breite rund 50 Kilometer. Der Fluss Narwa bildet im Norden den Abfluss in die Ostsee und gleichzeitig die Staatsgrenze zu Russland. Ein Blick von oben zeigt, dass sich der Peipussee in drei Teile aufgliedert: Der Große See oder im Estnischen "Peipsi järv" nimmt im Norden mit 2.610 Quadratkilometern die größte Fläche ein und wird oft als eigentlicher Peipussee bezeichnet. Südlich schließt sich der Warme See oder Lämmijärv wie ein Zwischenstück an, das zum Großen Pieskauer See oder Lämmijärv mit seinen 710 Quadratkilometern Fläche überleitet.

Mit den natürlichen Gegebenheiten empfiehlt sich der Peipussee im Sommer als beliebtes Erholungsgebiet, vor allem das angenehm erwärmte Wasser lädt zum Baden ein. Hier beeindrucken die nördlichen Ufer mit weiten Sanddünen und Wäldern, in denen sich einige Campingplätze und kleine Familienhotels befinden. Berühmt ist der singende Sand am malerischen Strand von Kauksi: Wenn der Wind durch die Dünen weht und den Sand zum Fließen und Schwingen bringt, werden ganz ungewöhnliche Geräusche erzeugt. Es gibt einige Strände oder Wüstenregionen auf dieser Welt, denen dieser Beiname verliehen wird. Der Peipussee ist allerdings nur an den nördlichen Ufern touristisch erschlossen.

Wahre Kenner schätzen das fischreiche Gewässer vor allem im Winter: Der zugefrorene See bietet optimale Voraussetzungen für das beliebte Eisangeln.

Peipussee Reisebuchtipp


Estland Reiseführer


Die berühmte Schlacht auf dem Peipussee

Sie sorgt noch immer für kontroverse Diskussionen in der Geschichtswissenschaft und hat für die Festlegung der noch heute geltenden Grenzen gesorgt: Am 5. April 1242 konnte ein russisches Heer unter Befehlshaber Alexander Newski auf dem zugefrorenen Peipussee die Schlacht gegen den Livländischen Orden, zu dem sich der Deutsche Orden und der Schwertbrüderorden vereint hatten, vernichtend schlagen. Die Expansionspolitik, die der Deutsche Orden bis dahin betrieben hatte, wurde blutig beendet, Peipussee und Narwa-Fluss wurden zur neuen Grenze erklärt.

Wie die Quellen des Mittelalters berichten, begann die Schlacht am südöstlichen Ende des Sees in der Nähe der Insel Rabenstein mit einem Angriff der berittenen Ordensritter. Die am östlichen Ufer stationierten russischen Fußtruppen wichen zurück, sodass die Reiter auf der zum See abfallenden vereisten Böschung nicht ihre Schlagkraft entfalten konnten. Dem russischen Heer gelang es, die Ritter einzukesseln und ihnen den Raum für die gefürchteten Reiterangriffe zu nehmen.

Der gefrorene See hat den Überlieferungen zufolge einige der schwer gepanzerten Ordensritter verschlungen, da das Eis an einigen Stellen dieser Masse nicht standhielt. Auch wenn von mehreren Zehntausend Kämpfern geschrieben wurde, gehen heutige Historiker von deutlich weniger Beteiligten aus. Die historische Bedeutung dieses Sieges ist komplex, denn es wurde die Grenze sowohl zwischen Nowgorod und den Ländern des Deutschen Ordens als auch zwischen den Religionen auf dem Baltikum manifestiert.

Besondere Begegnung: Altgläubige am Peipussee

Neben den vielen Landsitzen des alten Adels, der ruhigen Landschaft und der artenreichen Natur bietet der Peipussee eine weitere Attraktion für Kenner: Einst versorgten die hiesigen Gärten die gesamte Region von Petersburg und Helsinki bis Riga mit Fisch - und Zwiebeln. Noch heute finden Sie hier die traditionellen bunten Fischerhäuschen, an deren Wänden Fische zum Trocknen befestigt sind.

Und Sie treffen auf Altgläubige, deren Vorfahren vor rund 350 Jahren Russland verließen, als die russisch-orthodoxe Kirche dort unter Zar Lexeij Michailowitsch reformiert wurde. Um den damit verbundenen Neuerungen zu entgehen, flohen Altgläubige und ließen sich am Peipussee nieder. Hier konnten Sie im Schutz der deutschen Ritterorden ihren Glauben praktizieren - und das tun sie bis heute.

Rund 15.000 Altgläubige leben aktuell in Estland und pflegen ihre Traditionen und Bräuche. Neben den religiösen Eigenheiten, die beispielsweise das Tragen von Kopftuch und Rock für altgläubige Frauen, aber auch das Bekreuzigen mit zwei Fingern umfassen, führen sie auch die traditionelle Küche aus Fisch und Zwiebeln weiter. Der ruhige Peipussee empfiehlt sich daher mit den traditionellen Fisch-Zwiebel-Restaurants auch für kulinarische Entdeckungsreisen, die Sie ob der Vielfalt der Speisen und mit einer wundervollen Gastfreundschaft überraschen wird.

Natur, Altgläubige und Ruhe - der Peipussee als Reiseziel

Wer Ruhe und Natur pur im Urlaub sucht, dürfte sich am Peipussee ausgesprochen wohlfühlen: Der See liegt meist ruhig da, wird von einem breiten Schilfgürtel umgeben und bietet Raum für eine artenreiche Tierwelt. Die Strände am Nordufer laden zum Badeurlaub mit der Familie ein, das warme Wasser zum Baden. Aber auch die traditionelle Küche, die Altgläubige noch heute pflegen, bietet für Fans einer im Wesentlichen aus Zwiebeln und Fisch bestehenden und gemütlich dargereichten Hausmannskost eine große Vielfalt an kulinarischen Erlebnissen.

Für Hartgesottene empfiehlt sich der Peipussee im Winter, wenn Löcher in das dicke Eis gehackt und auch bei Minustemperaturen Fische geangelt werden.
peipus, see, estland, schlacht
nach oben