Geschichte Russlands

Die Nachkommen der Kiewer Rus


Russland kann auf eine lange und ereignisreiche Vergangenheit zurückblicken. Die Geschichte des größten Staates der Erde ist jedoch noch längst nicht abgeschlossen. Vielmehr befindet sich das russische Imperium gerade aufgrund politischer Entscheidungen des derzeitigen Präsidenten Putin auch heutzutage häufig in den Schlagzeilen der Weltpresse. Das Streben nach Macht, welches sich auch deutlich in der Geschichte Russlands wiederspiegelt, ist also noch lange nicht beendet.

Frühzeitliche Entwicklungen auf dem Gebiet des heutigen Russlands

Auch heute noch werden große Teile Russlands von eisig kalten Temperaturen beherrscht, was eine menschliche Besiedlung nahezu unmöglich macht. Trotzdem lassen sich die ersten Spuren menschlichen Lebens in dieser Region, die im Südwesten vom Uralgebirge begrenzt wird, bis auf rund 100.000 Jahre v. Chr. zurückverfolgen. Werkzeugfunde beweisen zudem, dass Urmenschen bereits 1,5 Millionen Jahre v. Chr. auf dem Gebiet lebten.

In der Nähe der Kostenki Ausgrabungsstätte finden Wissenschaftler im Jahre 2007 zudem Hinweise auf anatomisch moderne Menschen, die mindestens 40.000 Jahre alt sind. In der Mezmaiskaya Höhle in Adygea werden ferner Überreste eines Neanderthalers gefunden, welche etwa 29.000 Jahre alt sind.

1500 v. Chr.: Das indo-germanische Volk der Slawen lässt sich in Polen und Westrussland nieder. Dort werden sie unter anderem von Khazaren angegriffen, können diesen Attacken jedoch standhalten.

Ab 1200 v. Chr.: Nomaden ziehen mit ihren Viehherden und Pferden durch die Steppen Russlands wie etwa Skythen. In den folgenden Jahrhunderten bilden sich unter anderem am Schwarzen Meer Königreiche der Skythen heraus.

Ab 800 v. Chr.: Griechen siedeln in der Dnepr- und Bug-Region sowie auf der Krim an und verbreiten dort ihr Verständnis von Zivilisation. Es entstehen wichtige Handelsstützpunkte für das Byzantinische Reich.
 

Entstehung des Staates: Die Kiewer Rus

Ab 800 n. Chr.: Unüblich für Vikinger, nutzen diese sowie Waräger aus dem Osten Europas die Flüsse vom Baltikum bis hinunter zum Schwarzen und Kaspischen Meer nicht nur zum Plündern, sondern auch zum Handeln. Der Anführer der damaligen Waräger ist laut Überlieferung ein gewisser Rurik, der als Kopf der schwedischen Waräger namens "Rus" agiert. Er wird 860 Herrscher von Nowgorod, ein wichtiges Zentrum in der Nähe des Ilmensees im Norden Russlands. Dort liegen die Flüsse Düna, Dnepr und Wolga nah beieinander, so dass Nowgorod einen strategisch wichtigen Standpunkt darstellt.

Ab 882: Der Vikinger-Anführer Oleg verlegt das Machtzentrum südlich entlang der Dnepr nach Kiew. Die Stadt wird zuvor von Khazaren regiert. Gemeinsam mit Ruriks Sohn Igor unterwirft Oleg zudem alle ostslawischen Stämme. Ferner schließt er mit dem zivilisierten Byzantinischen Reich einen Handelsvertrag ab. Im Verlaufe der nächsten Jahre wird die Kiewer Rus so zu einem blühenden Handelszentrum, in welchem Gold, Kleidung, Wein und Früchte aus Griechenland sowie Silber und Pferde aus Ungarn oder Pelze, Wachs und Sklaven aus der Rus verkauft werden.

980: Nachdem er Kiew von seinen Rivalen erobert hat, wird Wladimir I. zum Herrscher mehrerer Rusen, die später in das Staatsgebilde Russland münden. Er führt die griechisch- orthodoxe Variante des Christentums ein, indem er zunächst die Bürger Kiews und Nowgorods unter Zwang taufen lässt. Bis heute ist Russland vom orthodoxen Christentum geprägt.

Ab 1015: Nach Wladimirs Tod kommt es zu allerhand brüderlichen Fehden, während derer zunächst Sviatopolk I. an die Macht gelangt, indem er die Ermordung von drei Söhnen von Vladimir anordnet. Ein anderer Bruder, Yaroslav I., bekämpft Sviatopolk I. jedoch und setzt sich an die Spitze des Reiches. Yaroslaw "der Weise" führt das erste russische Gesetzbuch ein und macht aus Kiew eine eindrucksvolle, christliche Stadt mit einem goldenen Tor als Eingang. Nach seinem Tod nach 35 Jahren Regentschaft folgen erneut erbitterte Kämpfe um den Thron, so dass es während der nächsten rund einhundert Jahre keine wirklich stabile Regierung in Russland mehr gibt.

 

 

Zerfall von Kiew und Mongolensturm

Ab 1169: So zerfällt Kiew langsam und aufgrund der Machtverlagerung in den Norden wegen drohender Gefahren im Süden durch die Kumanen wird Moskau zur neuen Hauptstadt Russlands erklärt. Nicht zuletzt hierdurch verliert Kiew seine Stellung als blühendes Handelszentrum.

1223-1240 (und später): Es erfolgen zahlreiche Angriffe der Mongolen auf die Kiewer Rus. Hierbei stirbt nahezu die Hälfte der Bevölkerung. Die Mongolen, die Russland daraufhin für etwa zwei Jahrhunderte beherrschen, werden auch "Die Goldene Horde" oder "Tataren" genannt. Zwischen 1238 und 1240 plündern diese nahezu alle namhaften Städte Russlands wie Moskau oder Kiew.

Während ihrer Herrschaft siedeln die Tataren an der Wolga und dominieren von dort aus die Regenten Russlands. Diese können jedoch weithin frei agieren, solange sie ausreichend Tribute an die Mongolen liefern. Im Zuge dessen wird Alexander Nevsky 1246 von den Mongolen zum Prinzen von Kiew und 1252 zum Prinzen von Wladimir ernannt, da er besonders gut mit ihnen kooperiert.

In den Folgejahren entwickelt sich die Nevsky- Familie zu einer der bedeutendsten Familien in Russland. Sie verfügt über großen Einfluss und nimmt die Steuern für die Mongolen ein. 1280 macht sie das Großfürstentum Moskau zu ihrem Hauptsitz.

1380: Da die Macht der Moskauer Regenten im Verlaufe der Jahre stetig wächst, versucht Prinz Dimitri Donskoi mit einer wild zusammengewürfelten Armee, die Mongolen zu stürzen. Dies gelingt jedoch vorerst nicht. Trotzdem wird die Vormachtstellung Moskaus durch den Angriff bestätigt und gestärkt.

 

 

 

 

Russland findet zur Macht

1462-1505: Unter Iwan III. - auch Zar Iwan "Der Große" genannt, der mit nur 22 Jahren die Macht in Moskau übernimmt, wird Russland 1480 im "Stehen an der Ugra" von der Goldenen Horde befreit. Zudem krönt er sich zum ersten Zaren von Moskau. Das Wort "Zar" leitet er vom lateinischen Kaiser "Caesar" ab. Er erobert außerdem Nowgorod, Smolensk und Tschernigow und führt erfolgreich Krieg gegen die Livländische Konföderation. Ferner etabliert er Moskau als das "Dritte Rom" und sieht sich als Verfechter der römisch-orthodoxen Kirche. Er heiratet außerdem die Nichte des letzten byzantinischen Herrschers.

1480-1481: Im Russisch-Livländischen-Krieg kommt Iwan III. der Republik Pskow zu Hilfe, welche von der Livländischen Konföderation unter Bernhard von der Borch stetig angegriffen wird. 1481 entsendet er dann 20.000 Mann gegen die erneut angreifenden Deutschritter, nachdem die durch die Tataren verursachten Gefahren entgültig ausgelöscht sind. Gemeinsam mit den Pskowern besiegt das russische Heer unter Jaroslaw Obolenski und Wassili Schuiski die Livländische Konföderation.

 

 

 

 

Russland unter Iwan dem Schrecklichen

1547-1584: Iwan IV. "der Schreckliche" krönt sich selbst zum ersten Zaren von Russland. Seine Macht stärkt er dadurch, dass er Adelige, die durch kleinste Provokationen auffallen, ins Exil verbannen oder umbringen lässt. Trotzdem geht Iwan IV. als kompetenter Staatsmann in die Geschichte ein, da er die Verwaltung reformiert, neue Gesetze einführt und vor allem das Staatsgebiet vergrößert, sowie Khanate der Tataren erobert. Nach seiner Regentschaft steht die Wolgaregion wieder völlig unter russischer Kontrolle und das Reich hat sich bis nach Westsibirien ausgedehnt. Iwan IV. heiratet die Bojarentocher Anastasia, deren Vater Roman der Namensgeber für die spätere Romanov-Dynastie sein wird. 

1558-1584: Im Livländischen Krieg hat Iwan IV. jedoch weniger Erfolg. Er verliert ihn gemeinsam mit seinen livländischen Verbündeten gegen das Meistertum Livland, Dänemark-Norwegen, Schweden sowie die seit 1569 durch die "Union von Lublin" zusammengeschlossenen Staaten Polen und Litauen. Obwohl Iwan IV. 1576/77 noch stark erscheint und Estland sowie Livland erobert, muss er sich schon bald starker Polen unter dem Taktiker Stephan Báthory sowie schwedischen Truppen erwehren.

Im Waffenstillstand von "Jam Zapolski" mit Polen-Litauen sowie im Friedensvertrag von "Pljussa" mit Schweden, muss Russland dann zahlreiche Gebiete wie Estland, Livland oder Iwangorod abtreten, erhält jedoch von Stephan Báthory die zuvor von diesem eroberten Gebiete zurück.

1584 stirbt Iwan IV. und hinterlässt ein zerrüttetes Land ohne wirklichen Thronfolger, da sein Sohn Fjodor geistig zurückgeblieben ist. Die Dynastie der Rurikiden erlischt somit wenige Jahre später. 

 

 

 

 

Die drei Dimitris

1584-1605: Für Fjodor übernimmt der Bojar Boris Godunov die Regierungsgeschäfte, nachdem Iwan IV. ihn noch vor seinem Tod dafür vorgesehen hat. Da Godunovs Schwester mit Fjodor verheiratet wird, ist er zusätzlich Iwans Schwager. In den Folgejahren regiert Godunov wie ein echter Zar und erobert beispielsweise zuvor verlorengegangene Gebiete von den Schweden zurück. Andererseits führt er die Leibeigenschaft in Russland ein, welche bis 1861 anhalten soll. Im Jahre 1598, nach Fjodors Tod, wird Godunov dann offiziell zum Zaren ernannt. 

1603-1613: Im Jahre 1603 taucht ein junger Mann namens "Dimitri" in Polen auf und behauptet, der rechtmäßige Erbe des russischen Throns zu sein. Er beruft sich darauf, dass 1584 ein weiterer Sohn Iwans IV. mit Namen Dimitri geboren wurde, welcher jedoch gemeinsam mit seiner Mutter von Boris Godunov ins Exil verbannt wurde und dort mit sieben Jahren starb. "Dimitri" erzählt den Polen also, dass er überlebt habe und seinen Platz als Herrscher Russlands einnehmen wolle. Dazu marschiert er 1604 mit einer polnischen Armee nach Russland ein. Zunächst scheint er "Glück" zu haben, denn 1605 stirbt Boris Godunov und sein Sohn wird ermordet, so dass der Weg nach Moskau frei ist. Doch wird ihm dort kein Glauben geschenkt. Der erste "Dimitri" wird vielmehr 1606 im Kreml umgebracht. 

Es folgen zwei weitere "Dimitris", denen jedoch kein Glauben geschenkt wird. Dennoch finden sie zunächst vor allem bei den rebellischen Kosaken Gehör, die in Moskau randalieren. Während die neuen "Dimitris" 1607 bzw. 1612 ermordet werden, herrscht in den Jahren 1610 bis 1613 Anarchie in Russland. Diese Situation kommt den Gegnern des osteuropäischen Landes gerade recht und sie versuchen, Vorteil aus der russischen "Zeit der Wirren" zu gewinnen. 

Ab 1613: Der erste Zar aus der Romanov-Dynastie wird ernannt. Mit Michael Romanov enden die Zeiten der Instabilität in Russland. Gleichzeitig beginnt eine Periode der Expansion, in welcher vor allem die Kosaken weite Teile Sibiriens einnehmen. Sie fallen in Regionen ein, die bislang nur von einigen Stämmen besiedelt sind und fordern von diesen Tributzahlungen an Moskau. Da es sich bei den Stämmen vornehmlich um Jäger handelt, "zahlen" diese vor allem mit Pelzen. Der Pelzhandel mit Europa wird daraufhin zu einer der Haupteinnahmequellen Russlands. 

Gleichzeitig dient Sibirien als Verbannungsort für Rebellen und Andersdenkende. So muss beispielsweise der Priester Avvakum Petrowitsch mehr als zehn Jahre hier verbringen, da er als erbitterter Gegner der Kirchreformen des Patriarchen (höchstrangiger Bischof) Nikita Minin (Nikon) gilt. Letzterer sorgt ab 1652 für die Spaltung der Russisch-Orthodoxen Kirche in Altgläubige und Großkirche, indem er zahlreiche Maßnahmen ergreift, um die Riten der russischen Kirche wieder zu den griechischen Ursprüngen zurückzuführen. Dies beginnt mit einfachen Änderungen wie etwa der Nutzung von drei statt zwei Fingern zur Bekreuzigung. Bald schon werden jedoch zahlreiche andersdenkende Russen durch ein Konzil von 1666/67 mit einem Kirchenbann belegt, wie Petrowitsch nach Sibirien geschickt oder gar getötet. 

 

 

 

 

Peter "der Große"

1676-1725: Nach dem Tod des auf Michael Romanov folgenden Zaren Alexis im Jahre 1676 beginnt die Laufbahn von Peter "dem Großen", der zu dieser Zeit erst vier Jahre alt ist, zunächst holprig. Seine Halbgeschwister von Alexis’ erster Frau besitzen das Vorrecht auf den Thron, obschon Fjodor kränklich ist und sein Bruder Iwan geistig behindert. Zudem findet Peters äußerst gerissene Halbschwester Sophia im Verlaufe der Zeit immer wieder Wege, die Macht innerhalb ihrer Familie zu halten.

Nach Fjodors Tod 1682 sorgt sie mit einer Intrige beispielsweise dafür, dass ihr behinderter Bruder den Thron als Iwan V. gemeinsam mit Peter I. besteigt. Sie agiert als Regentin und schickt Peter mit zehn Jahren in ein Dorf namens Preobrazhenskoye. 1689 erhebt Peter jedoch Anspruch auf seinen Thron, was Sophia erneut zu verhindern versucht, indem sie ihren Halbbruder von verbündeten Strelitzen umbringen lassen will. Diesmal scheitern ihre Pläne jedoch, Peter wird Halb-Zar und heiratet auf das Drängen seiner Mutter hin Jewdokija Lopuchina, die wenig später seinen Sohn Alexej zur Welt bringt. Als Iwan V. 1696 verstirbt, beginnt Peters Regentschaft als alleiniger Herrscher über Russland.

Ab 1696: Nach einem gescheiterten Angriff im Jahre 1695 erobert Peter I. mit seinen Truppen und einer starken Seeflotte die Stadt Azov von den Krim-Tataren und erhält damit einen direkten Zugang zum Schwarzen Meer. Ferner sieht er die Eroberung als Sieg des Christentums an, da die Krim-Tataren Muslime und Verbündete der Osmanen sind. 

Dieser Erfolg gibt Peter I. Aufschwung und er sucht in Europa nach Verbündeten gegen die Osmanen. Zudem will er die Erfindungen und Errungenschaften des Kontinents kennenlernen und studieren. Seine Besuche gehen als "Große Gesandtschaft" in die Geschichte ein.

Bereits zuvor pflegte der Zar regen Kontakt zu Ausländern, wie etwa dem Schotten Patrick Gordon. So erhält er Einblicke in die Lebensweise der westlichen Welt und versucht, diese auch in Russland zu adaptieren und das Land so zu modernisieren. Beispielsweise verbietet er traditionelle russische Kleidung, reformiert das Schuldsystem oder lässt Großbetriebe errichten. Damit sorgt Peter "der Große" für den wirtschaftlichen Aufstieg Russlands in der Welt. 

Während seiner Reisen schafft es der Zar jedoch nicht, die westlichen Herrscher auf seine Seite zu ziehen, um mit ihnen die Osmanen zu bekämpfen. Aus diesem Grund fasst er den Zugang zum Baltikum ins Auge, welcher zu diesem Zeitpunkt von Schweden blockiert wird. Da der schwedische König Karl IX. jedoch kürzlich verstorben und der neue Thronfolger erst 15 Jahre alt ist, sieht Peter I. seine Chance gekommen, die Region zu erobern. Dazu führt er 1698 Friedensverhandlungen mit den Osmanen und bildet eine geheime Allianz mit Polen und Dänemark. 

1700-1721: Nachdem die Friedensverhandlungen mit dem Osmanischen Reich erfolgreich abgeschlossen sind, beginnt im Jahre 1700 der "Große Nordische Krieg", in welchem Russland zunächst Schwedisch-Livland angreift. Obwohl die russischen Truppen in den ersten Kriegsjahren einige Niederlagen einstecken müssen, wendet sich das Blatt doch nach der gewonnenen "Schlacht bei Poltawa". Ab diesem Zeitpunkt kann Peter I. zahlreiche Gebiete erobern wie etwa Riga, Reval oder Finnland und bekommt 1721 im "Frieden von Nystad" unter anderem Livland und Estland von den Schweden zugesprochen.

Andererseits muss der Zar bereits 1710 Asov wieder an das Osmanische Reich zurückgeben. Zuvor hatte dieses Russland den Krieg erklärt, woraufhin Peter I. dort einmarschierte, bei Pruth jedoch eingekesselt wurde. Trotzdem werden die Eroberungen des Zaren in Russland gefeiert und Peter I. wird 1721 zum Kaiser ernannt. 

1703: Peter I. gründet die Stadt Sankt Petersburg, die ab 1710 als Hauptstadt von Russland gilt. 

Ab 1722: Peter I. entscheidet, dass von nun an der Herrscher selber die Thronfolge bestimmen kann. Dies folgt auch aus dem Eklat, den sein Sohn Alexej durch die Flucht vor seinem Vater nach Österreich im Jahre 1716 hervorruft. Alexej wird daraufhin von seinem Vater unter einem Vorwand nach Russland zurückgeholt, wo er wegen Hochverrats gefoltert und getötet wird. Nachdem Peter I. 1725 stirbt, geht die Thronfolge somit an seine zweite Frau Katharina, mit der er bereits seit 1703 zusammen ist und die als seine engste Verbündete gilt. 1712 heiratete Peter I. die einstige litauische Leibeigene dann offiziell. 

 

 

 

 

Sieben Dekaden von Frauen dominiert

1725-1796: Katharina I. gilt, obwohl sie Analphabetin ist und aus nicht adeligen Verhältnissen stammt, als willensstarke und kompetente Nachfolgerin von Peter I. Sie stirbt jedoch bereits 1927, woraufhin Anna I. auf den Thron folgt, die jedoch eher an Vergnügungen als an Regierungsgeschäften interessiert ist. Von 1741 bis 1762 regiert dann Peters und Katharinas Tochter Elisabeth, in der die Energie ihres Vaters steckt und die russische Interessen wieder in den Vordergrund rückt.

Ihre Krone fällt nach ihrem Tod an den Enkel ihrer Schwester. Peter III. ist jedoch mehr als ungeeignet, um Russland zu regieren. Dafür erweist sich seine Frau, die deutsche Prinzessin Sophie, als würdige Herrscherin. Sie wird als Katharina "die Große" in die Geschichte Russlands eingehen. Sie regiert das Land noch im Jahr der Ernennung ihres Ehemannes alleine, nachdem dieser wahrscheinlich unter Katharinas Mitwisserschaft ermordet wird. 

Katharina II. ist eine freidenkende, passionierte Regentin, die vielerlei Reformen verwirklichen will. So setzt sie sich für die Bildung von russischen Mädchen ein. Daneben will sie die Leibeigenschaft in Russland abschaffen, was jedoch aufgrund der Ablehnung des russischen Adels scheitert. Vielmehr werden während ihrer Regentschaft nahezu alle Bauern versklavt, da Katharina II. ihr Land an Adelige vergibt, die die Bauern dann als Leibeigene unterwerfen. Frustriert von der inländischen Lage widmet sich Katharina II. der Außenpolitik, um Russland stetig zu vergrößern und nach Macht zu streben. 

1768-1774: Katharinas Truppen obsiegen beispielsweise im fünften "Russischen Türkenkrieg", der durch ein angebliches Massaker durch russische Kosaken auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches ausgelöst wird. Hierdurch annektiert Russland das Krimkhanat und erhält unter anderem zwei strategisch wichtige Hafenstädte am Schwarzen Meer. Der fünfte Russische Türkenkrieg ist nur einer von zahlreichen Kriegen, die sich die beiden Reiche lieferten. 

1772-1792: Mit zunächst rein diplomatischen Mitteln gelingt es Katharina II., sich gemeinsam mit dem Preußenkönig Friedrich II. das durch Kriege etwa gegen Schweden und Russland geschwächte Polen-Litauen zu teilen und Preußen, Österreich und Russland einzuverleiben. Bereits seit dem Großen Nordischen Krieg befindet sich Polen in der Hegemonie Russlands. Insgesamt gibt es drei Teilungen, wobei die zweite und dritte Teilung auf heftigen Widerstand der polnischen Bevölkerung stoßen. 

1796-1814: Als Katharina II. 1796 stirbt, folgt ihr verhasster Sohn Paul I. auf den Thron und führt ein Regime des Terrors, bis er 1801 ermordet wird. Sein Sohn Alexander I. folgt dem tyrannischen Pfad seines Vaters nicht und will Russland liberalisieren. Ab 1790 werden die Staaten in West- und Osteuropa jedoch von einem neuen Feind auf Trab gehalten. Französische Armeen ziehen seit der "Französischen Revolution" durch Europa.

Dies bringt auch Russland 1798 dazu, dem "Zweiten Koalitionskrieg" beizutreten. Allerdings wechselt Alexander I. zwei Jahre später die Seiten und formiert eine Allianz gegen Großbritannien. 1805 besinnt sich der Zar erneut eines Besseren und tritt dem "Dritten Koalitionskrieg" gegen Napoleon bei, den er und sein Verbündeter Österreich jedoch verlieren bzw. mit einem Waffenstillstand beenden. 1805 treffen sich Napoleon und Alexander I. und schließen den " Frieden von Tilsit", durch welchen die Herrschaft über Europa unter den Parteien aufgeteilt wird.

1812 bricht Napoleon diesen Vertrag und übertritt die russische Grenze mit einer gewaltigen Armee. Die französischen Truppen sind den russischen weit überlegen, doch durch einen Trick gewinnen die Russen, indem sie Moskau vermeintlich für Napoleon offenhalten. Als dieser mit seinen über 600.000 Mann in Moskau einmarschiert, brennt die Stadt, jedoch ist niemand vorzufinden.

Daraufhin muss Napoleon im menschenleeren, brennenden Moskau warten und Verhandlungen führen. Da der Winter jedoch bevorsteht, befiehlt er sich zu ergeben und den Rückzug. Auf dem Rückmarsch, im einbrechenden russischen Winter, verliert er durch Auszehrung, Krankheit und Seuchen der Soldaten fast drei Viertel seiner Armee. 1814 reiten dann die Herrscher von Russland, Preußen und Österreich nach Paris, um dort das Ende der Ära Napoleons zu besiegeln.

1814-1815: Im Rahmen des "Vertrages von Chaumont" wird 1814 zwischen Russland, Österreich, Preußen und Großbritannien eine "Heilige Allianz" geschlossen, wodurch die Parteien festlegen, dass kein Staat mit Frankreich im Alleingang Frieden schließen werde. Während des "Wiener Kongresses" wird diese Allianz erneuert und erweitert. Später wird der Versuch, Frieden in Europa zu stiften, jedoch hinfällig, da jede Nation nach Macht strebt und sich vergrößern will. 

1825-1855: Als Alexander I. 1825 überraschend stirbt, hinterlässt er keinen Thronfolger, wodurch die Stimmen für eine konstitutionelle Reform lauter werden. Zudem will Alexanders Bruder Konstantin den Thron nicht besteigen und sein Bruder Nikolai weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass er demnächst Zar von Russland sein wird. Während dieses Zeitraumes der Unsicherheit kommt es zur Dezemberrevolution von 1825, in welcher rebellische Offiziere und Soldaten für eine Verfassung kämpfen. Die Revolution wird jedoch von Truppen des neuen Zaren Nikolai I. niedergeschlagen. 

Nikolai I. regiert mit harter Hand und erweist sich als Zuchtmeister, der das Militär sowie strikten Gehorsam liebt. Er will vordergründig die Heilige Allianz aufrechterhalten und sich anbahnende Revolutionen verhindern. Der Zar stirbt im Jahre 1855, nachdem es auf der Krim zu einem Krieg gegen Frankreich, Großbritannien und die Türkei gekommen ist und noch vor dem Kriegsende im Rahmen des "Vertrages von Paris". In den Folgejahren kommt es unter Alexander II. jedoch zu weiteren Eroberungen etwa im Fernen Osten und im Süden Asiens. Dadurch dehnt sich das Territorium Russlands weiter aus bis nach China und Afghanistan. 

Unter Alexander II. kommt es zudem zur überfälligen Abschaffung der Leibeigenschaft in Russland im Jahre 1861. Er veranlasst zudem weitere Reformen etwa im Bereich der Lokalpolitik, Gesetze oder des Militärs. Diese Veränderungen rufen jedoch zwei Gruppierungen auf den Plan, die nach weiteren Reformen streben: Die Slawophilen und Narodniki. Letztere wollen aus Russland einen kommunistischen Staat machen und schrecken auch nicht vor Gewalt zurück, um dieses Ziel zu erreichen. Vielmehr bringen sie 1881 Alexander II. mittels eines Bombenanschlags in St. Petersburg um.

Ab 1861: Die Idee der Slawophilen, die eine "Russifizierung" Russlands anstreben, übernehmen auch die auf Alexander II. folgenden Zaren Alexander III. sowie Nikolai II. Zudem wird gegen Nicht-Slawische Minderheiten vorgegangen. 

22. April 1870: Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin, wird in Simbirsk (im heutigen Uljanowsk) geboren. Er übernimmt nach der sogenannten Oktoberrevolution im Jahre 1917 gemeinsam mit der Partei der Bolschewiki die Herrschaft im zuvor von Zar Nikolaus II. regierten Russland. Der studierte Jurist entwickelte bereits zuvor vom Marxismus geprägte Revolutionstheorien, um das Zarentum zu stürzen und die "Herrschaft des Proletariats" in Russland einzuführen. Dadurch gerät er mehrfach in Gefangenschaft und muss vor und während des Ersten Weltkrieges nach Westeuropa fliehen. Nachdem die Bolschewiki 1920 entgültig die Macht in Russland übernommen haben, sieht Lenin seine Theorien Wirklichkeit werden.

1877-1878: Im letzten "Russischen Türkenkrieg", auch unter dem Begriff "Balkankrise" bekannt, siegt Russland. Der "Frieden von San Stefano wird jedoch durch den von Otto von Bismarck organisierten "Berliner Kongress" revidiert.

1905: Um auf die Missstände in Russland aufmerksam zu machen, demonstriert eine Vielzahl von Fabrikarbeitern am 22. Januar 1905 vor dem Winterpalast von Zar Nikolaus II. in Sankt Petersburg. Die Demonstration verläuft friedlich, wird jedoch dennoch von den Männern des Zaren blutig niedergeschlagen. Nachdem bekannt wird, dass am sogenannten "Blutsonntag" rund 500 Menschen erschossen wurden, kommt es im gesamten Land zu Aufruhr sowie zur Bildung revolutionärer Gruppierungen.

Um diesen Einhalt zu gebieten, verspricht der Zar, seinem Volk Meinungs- und Versammlungsfreiheit zu gewähren. Außerdem dürfen sich Volksräte (Sowjets) formieren. Letztendlich bleiben dies jedoch leere Versprechungen und die Räte verfügen in Wirklichkeit über keinerlei Entscheidungsmacht.

 

 

 

 

Russland im Zuge des Ersten Weltkrieges

1914-1918:

1917/1918: Zum Ende des Ersten Weltkrieges hin herrschen Hunger, Armut und Kälte in Russland vor. Zudem hat das russische Heer zahlreiche Schlachten verloren und die Situation wird für viele Russen unerträglich. Aus diesem Grund kommt es immer häufiger zu Generalstreiks, die der Zar wiederum gewaltsam auflösen will. Viele Mitglieder seines Heeres weigern sich jedoch, die eigenen Landsmänner umzubringen und gehen daher zum Protest über.

Februar 1917: Eine bürgerliche Elite übernimmt die Macht im Land und will Russland zu einem kapitalistischen Staat umformen. Nikolaus II. und seine Familie werden daraufhin nach Sibirien verbannt.

Vom 24. auf den 25. Oktober 1917 (bzw. vom 6. auf den 7. November 1917 nach unserer Zeitrechnung) findet in St. Petersburg dann zudem die große Oktoberrevolution statt, welche zwar nahezu unblutig verläuft, jedoch für einen folgenschweren politischen Umbruch in Russland sorgt. Lenins Partei der Bolschewiki kommt auch durch die Ausschaltung aller anderen politischen Gegner an die Macht, was das endgültige Ende des Zarenreiches und damit den Höhepunkt der seit 1905 schwelenden Unruhen in Russland markiert. Für diesen Umsturz wird Lenin von der deutschen Führung eigens aus der Schweiz - hier befand er sich im Exil - heimlich nach Russland eskortiert. Das im Untergang befindliche Deutsche Reich sieht so eine gute Möglichkeit gekommen, den Hauptkriegsgegner Russland abzuwehren.

Dieses Vorhaben gelingt hervorragend, denn um weitere Kriegshandlungen und Unruhen zu vermeiden, muss die neue russische Regierung um Lenin um jeden Preis Frieden unter anderem mit Deutschland schließen. Durch den Friedensvertrag von "Brest-Litowsk", welcher am 3. März 1918 unterzeichnet wird, verliert Russland jedoch zahlreiche Gebiete wie die Ukraine, Litauen oder Polen.

März 1918: Der Kreml in Moskau wird zum neuen Regierungssitz der Bolschewiki.

Juli 1918: Zar Nikolaus II. und seine Familie werden von bolschewistischen Truppen getötet.

10. Juli 1918: Gründung der "Russisch Sozialistisch Föderativen Sowjetrepublik" (RSFSR). In jedem dieser und der folgenden Sowjetrepubliken bilden die "Sowjets" (Räte) die Regierung und sind zumindest dem Papier nach unabhängig und entscheidungsbefugt. In Wirklichkeit haben sich die Räte und alle Amtsträger der Sowjetunion jedoch an die Entscheidungen der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPDSU) zu halten.

Unter der kommunistischen Führung verändern sich Russland und die weiteren Sowjetrepubliken maßgeblich, was von der verarmten Bevölkerung zunächst begrüßt wird. Zunächst werden alle Grundbesitzer enteignet und ihr Eigentum verstaatlicht. Weite Flächen werden neu verteilt unter anderem an besitzlose Bauern. Banken, die Kirche, sowie Unternehmen fallen ebenfalls in staatliche Hand. Frauenrechte werden gestärkt, der Analphabetismus durch die Einführung der Schulpflicht bekämpft.

Ab 30. Dezember 1922: Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), Sowjetunion, wird gegründet. Zunächst besteht sie nur aus vier Mitgliedsstaaten. Im Verlaufe der 69-jährigen Geschichte der Union inkorperiert diese jedoch elf weitere Mitglieder und setzt sich schließlich aus den Staaten Armenien, Aserbaidschan, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisien, Lettland, Litauen, Moldawien, Russland, Tadschikistan, Turkmenistan, Ukraine, Usbekistan und Weißrussland zusammen.

21. Januar 1924: Lenin verstirbt an den Folgen eines Schlaganfalls. Daraufhin übernimmt Jossif Wissarionowitsch Dschugaschwili, besser bekannt als Josef Stalin, die Führung von Russlands Bolschewiki, obwohl Lenin zu Lebzeiten ausdrücklich vor ihm gewarnt hatte.

Stalin führt einen Polizeistaat ein, schaltet alle politischen Gegner, sowie Gefolgsleute Lenins aus und errichtet eine Diktatur mit ihm als grausamem Herrscher an der Spitze. Zwischen 1930 und 1940 sterben im Zuge Stalins "Tschistka" - der großen Säuberung - mehr als zwölf Millionen Sowjetbürger und vor allem Industrielle, Parteigegner, Intellekturlle, Verwaltungsangestellte sowie Angehörige der Armee. Mehr als 15 Millionen Bürger werden zudem in Straflager (Gulags) verfrachtet.

Um seine Fünfjahrespläne durchzusetzen, enteignet Stalin zudem zahlreiche Kleinbauern und zwingt diese, in sogenannten Kolchosen zusammenzuarbeiten und für den Staat genügend Erträge zu erwirtschaften. Daneben baut Stalin die Sowjetunion zu einem mächtigen Industriestaat aus. Er unternimmt alles, um die Industrie des Landes auszubauen, was viele Bürger jedoch in Hunger und Armut stürzt. Zum Ende der 1930er Jahre hin ist die Sowjetunion und mit ihr Russland strenger reguliert als je zuvor.

1. Februar 1931: Boris Jelzin kommt zur Welt. Er wird einige Jahrzehnte später zum ersten Präsidenten Russlands ernannt werden.

2. März 1931: Nicht viel später wird der später berühmte Politiker und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow in Priwolnoje, ebenfalls in der damaligen Russischen SFSR gelegen, geboren.

 

 

 

 

Russlands Rolle im Zweiten Weltkrieg

August/September 1939: Zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion wird der sogenannte Hitler-Stalin-Pakt geschlossen. Hierdurch wird Deutschland garantiert, dass sowjetische Truppen nicht angreifen, sollte es zum Einmarsch in Polen kommen. Dieser erfolgt prompt am 1. September 1939, wodurch der Zweite Weltkrieg ausgelöst wird.

Ab 22. Juni 1941: Hitler bricht den Pakt mit der Sowjetunion und greift diese an. Dieser Feldzug trifft das Land völlig unvorbereitet, so dass die deutschen Truppen weite Teile Russlands einnehmen und bis kurz vor Moskau gelangen können. Im Oktober 1941 startet Hitler dann sein "Unternehmen Taifun", durch welches der sowjetische Gegner ein für alle Mal ausgeschaltet werden soll. Doch die Offensive scheitert, da die deutschen Truppen nur unzureichend für den russischen Winter ausgerüstet sind. Im Dezember beginnt zudem eine sowjetische Gegenoffensive, dabei können 1 Million sowjetischer Soldaten sowie 700 Panzer die Deutschen zurückdrängen.

1942 startet Deutschland zwar einen neuen Angriff, um Zugang zum Bahnhof in Stalingrad und die Ölfelder im Kaukasus zu erhalten. Trotz der zahlen- und waffenmäßiger Überlegenheit der Deutschen versucht Russland jedoch, den Ansturm abzuwehren und schafft es, das gegnerische Heer in Schach zu halten und komplett aufzureiben. Damit ist die Wende des Krieges eingeleitet, die Front bewegt sich von nun an immer stetiger nach Westen. 1944 ist die Wehrmacht bereits bis nach Polen verdrängt. Am 8. Mai 1945 erfolgt dann die Kapitulation Deutschlands.

1945: Der Zweite Weltkrieg hinterlässt in der Sowjetunion viel verbrannte Erde, etwa 70.000 vollkommen zerstörte Dörfer, über 30.000 zerbombte Fabriken und mehr als 26 Millionen sowjetische Opfer. Damit verliert die Union etwa 14 Prozent ihrer damaligen Bevölkerung. Um dieses Grauen für die Zukunft zu verhindern, beteiligt sich die Sowjetunion an der Gründung der Vereinten Nationen und sitzt seitdem im UN-Sicherheitsrat als ständiges Mitglied (bzw. später übernimmt Russland als Nachfolgerin der Sowjetunion diese Rolle).

Die Sowjetunion hat am Ende des Krieges zahlreiche Länder zahlreiche osteuropäische Länder aus den Klauen der deutschen Besetzer befreit. Nun geht es um das zukünftige Gesellschaftsmodell für diese Länder. Auch die Russen wollen, wie die Amerikaner, ihren Einfluß in der Region wahren und unterstützen die lokalen Kommunisten, von denen sie absolute Loyalität erwarten, beim Aufbau ähnlicher Gesellschaftsstrukturen wie in der Sowjetunion.

 

 

 

 

Aufstieg und Fall der Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg

1949-1990: Im sogenannten "Kalten Krieg" kämpft die Sowjetunion in mehreren Stellvertreterkriegen beispielsweise in Vietnam, Korea oder Afghanistan gegen die USA, ausgelöst durch die "Truman-Doktrin" und den "Marshall-Plan" auf amerikanischer Seite. Er kulminiert in der Grenzziehung durch Europa und vor allem dem Bau der "Mauer" in Berlin auf russischer Seite.

Jahrzehntelang belauern sich Russen und Amerikaner in Ost- und Westeuropa, bewaffnen sich bis an die Zähne und stützen ihre Daseinsberechtigung, sowie ihr gesellschaftliches Grundverständnis auf den Besitz der gefürchteten Atomwaffen.

Der Kalte Krieg endet überraschend mit dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands 1990. Zuvor hatten die Amerikaner und Russen aber bereits seit 1985 unter anderem unter der Führung von Michail Gorbatschow damit begonnen, abzurüsten.

7. Oktober 1952: Wladimir Putin, der aktuelle russische Präsident, wird in Leningrad (im heutigen Sankt Petersburg) geboren.

Ab 1953: Stalin stirbt und unter Nikita Chruschtschow werden viele Restriktionen gelockert. Chruschtschow wird jedoch aufgrund des Drucks widerstrebender konservativer Kräfte in der KPdSU 1964 abgesetzt. Die nachfolgenden Staatsoberhäupter wie Leonid Brezhnjew brachten aber keinerlei Verbesserungen. Im Gegenteil, die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich mehr und mehr und es kommt zu einer Stagnation, welche eine depressive Grundstimmung in der Sowjetunion hervorruft.

1985: Michail Gorbatschow wird Generalsekretär der Partei und startet unter Begriffen wie Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Restrukturierung) eine Öffnung der sowjetischen Gesellschaft. Hierzu wird beispielsweise Bürokratie wenn nötig - abgeschafft und Korruption bekämpft.

Ab 1986: Im ukrainischen Tschernobyl kommt es zu einer Reaktorkatastrophe. Hier versagt die Glasnost- Politik zum ersten Mal, da die Regierung erst nach einigen Tagen über die Geschehnisse berichtet. Gorbatschow hebt daraufhin jegliche Barrieren für die freie Berichterstattung zu Tschernobyl auf, um nicht an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Ab diesem Zeitpunkt werden immer mehr Stimmen laut, die die Politik der Sojetunion kritisieren und sich über Themen wie Armut, Korruption oder den Afghanistan Krieg auslassen. Boris Jelzin oder Andrej Sacharow kämpfen für Reformen und zum Ende der 80er Jahre hin kommt es in allen Teilrepubliken der Sowjetunion und ihrer Satelliten zu Revolutionsgedanken und -aktionen. Der Fall der Berliner Mauer stellt den Höhepunkt dieser Bewegungen dar.

1990: Die Sowjetunion beginnt sich durch Unabhängigkeitserklärungen einzelner Teilrepubliken langsam aufzulösen. Der neue Vorsitzende des Parlaments, Boris Jelzin, begrüßt diese Entwicklung. Gorbatschow ist demgegenüber gefangen zwischen dem öffentlichen Ruf nach Reformen und den Forderungen seiner Partei, erneut ein System der sozialen Kontrolle zu installieren. Unzufrieden mit Gorbatschows zögerlicher Reaktion, lassen konservative Parteimitglieder ihn an seinem Rückzugsort auf der Krim verhaften. Er wird unter Hausarrest gestellt, da er sich weigert, Militärrecht in der Sowjetunion umzusetzen. Seine Gegner behaupten zudem öffentlich, dass Gorbatschow zurückgetreten sei und sie verhängen den Ausnahmezustand.

Militäreinheiten werden entsendet, um der neuen Regierung Geltung zu verschaffen. Es folgen jedoch lautstarke Proteste unter anderem unter der Leitung von Boris Jelzin. So scheitert der Staatsstreich nach nur drei Tagen. Gorbatschow wird wieder eingesetzt, tritt jedoch am 25. Dezember 1990 zurück, da seine Rolle als Parteioberhaupt obsolet ist. Am Ende des Jahres wird zudem die Sowjetunion aufgelöst, Russland verbleibt allein, als größtes Land der Erde mit neuen Nachbarn.

 

 

 

 

Die heutige Situation Russlands

Auch im 21. Jahrhundert haben sich die Wogen rund um Russland noch lange nicht geglättet. Vielmehr ist der Staat auch heute noch in zahlreiche Konflikte verwickelt und die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander. So leben in Russland einige Oligarchen wie etwa Wladimir Potanin, der laut Forbes-Liste ein Vermögen von über 15 Milliarden US-Dollar besitzt (Stand 2015).

Andererseits lebt eine Großzahl der Russen trotz reicher Öl- und Gasvorkommen immer noch in Armut. Russlands Wirtschaft befindet sich derzeit in der einer Phase der Rezession, obwohl die Ölpreise seit 2016 wieder gestiegen sind, da wichtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Reformen nicht unternommen w erden.

Anderseits erschweren wirtschaftliche Sanktionen der USA und Europas, ausgelöst durch die Annexion der Krim, eine Verbesserung der Situation. In die Kritik gerät Russland zudem immer wieder aufgrund von Menschenrechtsverletzungen. So werden Kritiker beispielsweise inhaftiert, verfolgt, ermordet, und Demonstrationen zerschlagen. Zudem sind viele Medien in Russland verstaatlicht, so dass eine einheitliche Berichterstattung erfolgt, andersdenkende kritische Medien werden eingeschüchtert oder in ihrer Arbeit massiv behindert.

2014: Die bereits im November 2013 gestarteten "Euromaidan" Bürgerproteste in der benachbarten Ukraine gegen die damalige Regierung unter Präsident Wiktor Janukowytsch ziehen weitreichende Folgen nach sich. Sie sind das Vorspiel für die völkerrechtswidrige Annektion der Krim durch Russland und den bis heute andauernden Krieg um die ukrainischen Gebiete "Donezk" und "Luhansk", welchen Russland verdeckt durch Waffen- und Truppenlieferungen unterstützt, jedoch offiziell nicht als solchen anerkennt.

Zusätzlich schürt der russische Präsident Putin die Spannungen zwischen prorussischen und proeuropäischen Ukrainern, indem er beispielsweise für die "Rückholung der Krim" wirbt oder den Südosten der Ukraine als eine Art "Neurussland" ansieht. Während die bewaffneten Unruhen in Donezk und Luhansk unterstützt von russischer Seite bis heute andauern, wird die Krim nach einem (illegalen) Referendum im März 2014 von Russland annektiert. Diese Annexion wird jedoch gerade aufgrund des nach ukrainischem und internationalem Recht illegalen und hoch fragwürdigen Referendums von der Mehrheit der Nationen nicht anerkannt.

17. Juli 2014: Der Malaysia Airlines Flug MH17 wird über der Ostukraine abgeschossen. Hierbei kommen alle 298 Insassen, darunter viele Kinder, ums Leben. Die Maschine überfliegt ein im Rahmen des Ukrainekonfliktes umkämpftes Gebiet, welches zu diesem Zeitpunkt von ukrainischen Separatisten und russischen Unterstützern kontrolliert wird. Eine Teilsperrung des Luftraumes gilt nicht für Passagierflugzeuge, da diese im Normalfall in einer Höhe von über 10.000 Metern verkehren. Die Sperrung reicht jedoch nur bis zu einer Höhe von rund 9.700 Metern.

Aufgeklärt ist bereits, dass das Flugzeug von einer in der Sowjetunion entwickelten BUK-Rakete zerstört wurde. Im Rahmen von internationalen Strafuntersuchungen wird zudem ermittelt, dass die Rakete von Russland in das ukrainische Perwomaiskij gebracht und dort abgeschossen worden sei. Der Abschlussbericht einer internationalen Untersuchungskommission aus dem Jahre 2015 nennt dahingegen keine Verantwortlichen. Russland jedenfalls streitet jegliche Beteiligung ab.

2015: Seit September 2015 nimmt Russland eine aktive Rolle im Syrien-Konflikt ein. Zuvor unterstützte Putins Regierung den syrischen Präsidenten Assad "lediglich" mit Waffenlieferungen. Seit rund zwei Jahren fliegt das russische Militär jedoch Luftangriffe, um Assads Regierungstruppen laut eignen Aussagen gegen den IS zu unterstützen.

In Wirklichkeit sieht es jedoch so aus, dass Russlands Luftwaffe auch andere Rebellen, die sich gegen Assad stellen, angreift. Ebenfalls wird ihr vorgeworfen, Zivilisten getötet zu haben. Durch Russlands Unterstützung kann die Regierung Assad einige Gebiete zurückerobern.

Die Stärkung Assads - ein wichtiger Verbündeter Russlands - ist jedoch nicht das einzige Ziel, welches Putin verfolgt. Vielmehr sprechen Experten davon, dass sich Russland als Weltmacht präsentieren und das während der Ukrainekrise verlorene Prestige und Einflussgebiete zurückgewinnen will.

2017: Seitdem der neue US-Präsident Donald Trump im Amt ist, scheinen die Vereinigten Staaten und Russland näher zusammenzurücken. Bereits im Wahlkampf zeichnet sich ab, dass Trump die Beziehungen zu dem größten Staat der Erde verbessern wolle. Außerdem rücken seine zumindest wirtschaftlichen Kontakte zu russischen Oligarchen ins Interesse der Öffentlichkeit, obwohl ein Statement von Trumps Anwälten beweisen soll, dass der Multimillionär in den letzten Jahren keinerlei geschäftlichen Verbindungen zu Russland pflegte.

Daneben werden Stimmen laut, dass der Wahlkampf des US-Präsidenten von russischer Seite durch Hackerangriffe beeinflusst wurde. Diese Vorgänge werden derzeit von FBI-Sonderermittler Robert Mueller untersucht. Dessen Vorgänger James Comey entließ Trump kürzlich, was den Verdacht gegen ihn und russische Wahlmanipulationen noch wahrscheinlicher macht.

 

 

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