Bernstein - honiggoldene Kostbarkeit aus Litauen


Leuchtend honiggoldene Farbe, eine einzigartige Wärme auf der Haut und faszinierende Einschlüsse, die Geschichten erzählen - Bernstein gilt als eines der begehrtesten natürlichen Materialien überhaupt. Das fossile Baumharz erscheint in vielen unterschiedlichen Formen und Farbtönen und ist nicht nur als Schmuckstein bedeutend, sondern auch wegen seiner heilenden Wirkung bekannt. Die prachtvollsten Exemplare stammen aus dem Baltikum und werden gerne als "Gold des Nordens" bezeichnet. Grund genug, nach Litauen zu reisen, denn das malerische Land besitzt die kostbarsten und faszinierendsten Exemplare, deren einzigartige Schönheit Besucher in den Museen hautnah erleben können.

     

     

     

     

     

    Entstehung einer natürlichen Kostbarkeit

    Der Name Bernstein, der sich von dem mittelniederdeutschen Verb "börnen" für "brennen" ableitet, lässt glauben, es handle sich bei dem intensiv honiggoldenen Schmuckstein um ein Mineral. Tatsächlich ist Bernstein jedoch ein versteinertes fossiles Harz von Bäumen, die vor 270 Millionen Jahren die Erde besiedelten. Wissenschaftler vermuten, dass es sich bei diesen Gewächsen um Zedern oder Lärchen gehandelt haben muss.

    Die bei Weitem begehrtesten und bekanntesten Exemplare stammen aus dem Baltikum, insbesondere aus Litauen, und sind auch unter dem Begriff "Succunit" bekannt. In der Region des heutigen Baltikums, in der seit Jahrhunderten die weltweit prachtvollsten Funde der wertvollen Schmucksteine getätigt werden, wuchs einst der sogenannte Bernsteinwald, ein großflächiger Nadelwald.

    Starke Klimaveränderungen führten in ganz Nordeuropa zu starken Überschwemmungen, wodurch auch die riesigen Bäume des Bernsteinwaldes ertranken und das Wasser das noch weiche Harz aus deren Rinden spülte. Die Harzklumpen lagerten sich in Sümpfen und Meeresbuchten der heutigen Nord- und Ostsee ab und wurden allmählich unter Sedimentablagerungen begraben. Unter Sand und Steinen überdauerte das Harz viele Millionen Jahre und entwickelte sich zu jenem Material, das heute zu den begehrtesten Schmucksteinen überhaupt zählt und vor allem im Samland und an den Küsten Litauens gefunden wird.
     

    Das Gold des Baltikums - Schmuckstein mit einzigartiger Wirkung

    Von Bernstein geht nicht nur aufgrund seiner charakteristischen warmen Farbgebung und seiner unverwechselbaren knollenartigen Form eine große Faszination aus. Bernstein ist ein organisches Material, das sich im Gegensatz zu Mineralien und anderen Schmucksteinen auf der Haut warm anfühlt und von überraschend weicher Struktur ist.

    Obwohl Bernstein meist honiggelb bis golden glänzt, sind auch rote, leuchtend orangefarbene, tiefbraune oder sogar fast schwarze Exemplare sehr begehrt. Deutlich seltener werden elfenbeinfarbene und grünlich oder bläulich schimmernde Steine gefunden, die im Handel hohe Preise erzielen. Die mit Abstand wertvollsten und gleichzeitig schönsten Exemplare sind transparent und zeigen sogenannte Inklusen. Diese sind aufgrund von Insekten, Spinnen und anderen kleinen Tiere, Wasserbläschen, Pflanzenteilen oder Samen entstanden, die vor Millionen Jahren im fließenden Harz eingeschlossen wurden.
     

    Litauen Reisebuchtipp


    Litauen Reiseführer

     

     

    Bedeutung von Bernstein aus Litauen

    Bernstein blickt auf eine lange Tradition der Nutzung durch den Menschen zurück. Archäologische Funde belegen, dass das fossile Harz bereits in der Steinzeit von den Menschen bearbeitet wurde. In der Antike wurden größere Bernsteinklumpen aufgrund ihrer natürlichen staub- und schmutzanziehenden Wirkung zur Reinigung von Kleidern verwendet und waren als Rohstoff für Ziergegenstände begehrt.

    Über die Bernsteinstraße gelangte das Material in der Antike vom Baltikum bis nach Afrika, wo es sogar die alten Ägypter zur Fertigung von kostbaren Grabbeigaben verwendeten. Die größte Bedeutung genießtBernstein auf der ganzen Welt seit vielen Jahrhunderten als Material für Schmuckstücke, Statuetten, Zigarettenspitze sowie aufwendige Einlegearbeiten an teuren Möbelstücken und Schatullen.

    In seiner litauischen Heimat ist der Bernstein besonders fest in der Kultur der Menschen verankert. Bernstein symbolisierte hier bereits im Neolithikum die wärmende und lebensspendende Sonne und diente in der Bronzezeit der Herstellung von Talismanen, Amuletten und magischen Elixieren. Auch die Krone der Natterkönigin Egle, die von den baltischen Stämmen als Fruchtbarkeitsgöttin verehrt wurde, war der Legende nach aus dem Sonnenstein gefertigt.

     

     

     

     

    Bis heute wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität

    Honiggoldene Tränen einer Meerjungfrau, ein aus Bernstein erbauter Palast in den Tiefen der Ostsee - eine der berühmtesten Sagen Nordeuropas rankt sich um das faszinierende Gold des Baltikums. Die Legende "Jurate und Kastytis" zählt in Litauen zu den wichtigsten Volksmärchen überhaupt.

    Über viele Jahrhunderte überliefert, wurde die Sage im Jahr 1842 durch den Volkskundler und Ethnographen Liudvikas Adomas Jucevicius in polnischer Sprache aufgeschrieben und seither in Form von Opern, Balletten und modernen litauischen Gedichten unzählige Male adaptiert. Sie handelt von der Meeresgöttin Jurate, deren Vater, der Donnergott Perkunas, seiner Lieblingstochter am Meeresgrund ein prachtvolles Schloss aus Bernsteinerrichten lässt. Von dort regiert Jurate das Meer und führt ein glückliches Leben, bis sie sich in den jungen Fischer Kastytis aus dem Küstenort Palanga verliebt, den sie heimlich in ihrem Palast aus Bernstein heiratet. Der erzürnte Vater zerstört daraufhin das Bernsteinschloss mit einem Blitz. Kastytis kommt dabei ums Leben und Jurate weint seither Tränen aus Bernstein, die in Litauen an die Küste gespült werden.

    In Palanga, der Heimat des Fischers und Gemahls der Jurate liegt heute das weltberühmte Bernstein-Museum, das die lange Tradition der Verwendung durch die Menschen in Litauen auf faszinierende Weise nachzeichnet.

     

     

     

     

    Bernstein in Litauen hautnah erleben

    Entlang der Ostseeküste, insbesondere in Litauen, werden die Schätze des ehemaligen Bernsteinwaldes noch immer in großen Mengen an Land gespült. Der Bernstein ist daher in den letzten Jahrhunderten zu einem Symbol des Landes geworden und zieht jedes Jahr unzählige Besucher aus der ganzen Welt nach Litauen, die die Pracht der honiggoldenen Steine hautnah erleben und daraus aufwendig gearbeiteten Schmuck als Souvenir erwerben möchten.

    Wer sich für die Schönheit des kostbaren Materials begeistert, sollte im Zuge einer Litauen-Reise unbedingt nach Palanga reisen, wo in einem prachtvollen Landschloss aus dem 19. Jahrhundert das berühmte Bernsteinmuseum untergebracht ist. Besucher erhalten hier nicht nur einen Einblick in die Entstehung des fossilen Harzes, sondern auch umfassende Informationen über die Verarbeitung und Verwendung von Bernstein.

    Ein Besuch ist in dieser Hinsicht besonders für Reisende empfehlenswert, die in Vilnius oder einer anderen Stadt in Litauen Schmuckstücke aus Bernstein erwerben und sich im Vorfeld umfassend informieren möchten. Das Bernsteinmuseum in Palanga beherbergt die größte und beeindruckendste Inklusensammlung der Welt, die über 14.000 Exponate umfasst und den berühmten "Saulès akmuo", den dreieinhalb Kilogramm schweren "Sonnenstein" miteinschließt.

    Auch auf der malerischen Kurischen Nehrung kommen Liebhaber des faszinierenden Schmucksteins voll auf ihre Kosten. Im idyllischen Nida überrascht die Bernsteingalerie mit einigen Exponaten, die jenen des berühmten Bernsteinmuseums in Palanga um nichts nachstehen.

    In Nida sind die berühmten, im 19. Jahrhundert getätigten Funde aus Juodkrante, Bernsteinbrocken mit einem Gewicht von über drei Kilogramm sowie unzählige Inklusen mit Spinnen, Vogelfedern und anderen faszinierenden Fossilien ausgestellt. Die Besucher der Bernsteingalerie können Bernsteinschnaps kosten, die heilenden Eigenschaften des Naturmaterials mit allen Sinnen erleben und eine Maschine besichtigen, die aus Bernstein Energie gewinnt.

     

     

     

     

    Der Edelstein Litauens - Schmuckstücke mit heilender Wirkung

    Die Menschen in Litauen nennen Bernstein "girintas", was übersetzt "beschützender Stein" bedeutet. Nicht nur im Baltikum wird Bernstein bereits seit dem Mittelalter eine positive Wirkung auf die psychische und körperliche Gesundheit nachgesagt. Er soll die Immunabwehr stärken, Hautkrankheiten und Zahnschmerzen lindern und dabei helfen, Depressionen und Angstzustände zu überwinden. Dies ist zwar nicht wissenschaftlich belegt, dennoch kann ein am Körper getragener Bernsteinschon alleine durch seine warme, an die Sonne erinnernde Farbe den Gemütszustand positiv beeinflussen.

    Als Rohmaterial oder Schmuckstück ist Bernstein in vielen Farben und Ausführungen im ganzen Land erhältlich. Neben den Schmuckateliers in Vilnius und anderen Städten zahlt es sich vor allem aus, nach Klaipeda zu fahren. Dort befinden sich direkt an der Küste einige renommierte Manufakturen, die ihren Kunden die Möglichkeit bieten, Rohbernstein nach individuellen Ideen zu Schmuckstücken oder Gegenständen verarbeiten zu lassen und dem faszinierenden Naturmaterial dadurch eine ganz persönliche Bedeutung zu verleihen.

    Litauen erwartet seine Besucher mit einer abwechslungsreichen Geschichte, idyllischen Landschaften und einer unverwechselbaren kulturellen Identität, die auch von den Bernsteinschätzen maßgeblich geprägt ist.

    Die Bernsteinfunde Litauens lassen Millionen Jahre der Erdgeschichte auf beeindruckende Weise lebendig werden. Und mit etwas Glück lässt sich im Rahmen eines ausgedehnten Spaziergangs entlang der herrlichen Strände vor allem im Herbst und Winter auch das eine oder andere Stück Bernstein finden - ein ganz besonderes Souvenir, das noch lange an die faszinierende Vergangenheit der Natur des Baltikums erinnern wird.

     

     

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