Sauna im Baltikum


Im Baltikum gehört die Sauna untrennbar zum ewigen Kreis des Leben dazu. In ihr wird geboren, geschwitzt, gefeiert und nach dem Tod zum Begräbnis gewaschen. Die Tradition der Sauna währt im Baltikum schon seit mehr als 800 Jahren, dabei entwickelte sich aus der ursprünglichen Erdsauna technologisch die heute weitverbreitete Heißluftsauna als populärste Form.

Vor allem Esten und Letten pflegen den regelmäßigen Saunagang, so ist die Sauna dort bis heute fester Bestandteil der regelmäßigen Hygiene. Zumeist befindet sie sich abseits der Wohnhäuser in einem kleinen Hüttchen, nahe dem Seeufer oder einem Fluß, die für anschließende Abkühlung sorgen.

Während es zwischen verschiedenen Saunen bauliche Unterschiede gibt, ist der eigentliche Vorgang des Saunierens immer der selbe. Man begibt sich in den gut vorgeheizten Saunaraum und kredenzt einen Aufguss auf den Ofen oder heiße Saunasteine, auf Wunsch kann dieser Aufguß (estn.: leil) gern ätherische Pflanzenöle enthalten, die den anschließenden Schwitzvorgang wahlweise erleichtern oder den Saunaeffekt intensivieren.

 

Während der mehrminütigen Schwitzphase kann man tief in sich versinken und sich ganz der geistigen Reinigung hingeben. In Gesellschaft gehört es zum guten Ton, sich gegenseitig am ganzen Körper mit Birkenreisern (estnisch: Viht) abzuklopfen und so die Durchblutung der Haut anzuregen. Der Este nennt diese Massage Whisking. Dann öffnen sich die Poren und der Schweiß transportiert Keime und Schadstoffe aus dem Körper, die in der Hitze der Sauna abgetötet und zersetzt werden. Der Kreislauf wird angeregt und das Herz in Fahrt gebracht.

Ist man ausreichend verschwitzt, geht es schnellstmöglich ins kühlende Nass des Sees oder Flusses. Durch den rasanten Temperaturwechsel wird das Herz zum Rasen gebracht, die Haut und die Gefäße in ihr ziehen sich zusammen. Ein Effekt, der bei regelmäßiger Wiederholung das Immunsystem des Körpers nachhaltig stärkt. Nach einer kurzen Ruhepause folgt dann der nächste Aufguss.

Nach mehreren Saunagängen fühlt man sich erfrischt und verjüngt, neigt zum Bäumeausreißen (was wiederum im naturliebenden Estland nicht gut ankommt). Regelmäßig betrieben, hält sich der Este mit der Sauna gesund und voller Schaffenskraft.

Die Bewohner des Baltikums reinigen sich vorwiegend in vier verschiedenen Saunatypen:

Weltkulturerbe Rauchsauna

Die Rauchsauna gehört mittlerweile zum immateriellen Unesco Weltkulturerbe. Sie ist der älteste Saunatyp und findet sich heute noch vor allem im Südosten Estlands, vereinzelt jedoch auch an der Ostseeküste von Lahemaa.

Die Rauchsauna zeigt uns noch heute ein Stück baltischer Geschichte, als die Bauern daheim noch selbst ihr Fleisch oder gefangenen Fisch haltbar machten. So befindet sich im geschlossenen Badehaus, wie die Rauchsauna bis heute ab und an umgangssprachlich genannt wird, ein offener Ofen, in dem mit Zweigen und Ästen ein Feuer entfacht und der Raum auf saunataugliche Temperaturen erwärmt wird. Der Qualm des Feuers kann nicht entweichen und füllt und verrußt den Innenraum des Saunaraumes. In dieser Zeit ist es nicht unüblich, im Rauch des Holzfeuers in der Sauna Fisch und Fleisch zu räuchern.

Erreicht die Sauna die nötige Temperatur, dann wird das Räuchergut dem Badehaus entnommen und der Qualm durch eine Lüftungsöffnung am Dach der Rauchsauna entlassen. Nun steht einem Saunagang nichts mehr im Wege, der Este setzt sich im Badehaus auf ein sauberes Brett in die verrußte heiße Rauchsauna und entspannt sich.

Es ist überliefert, dass der Rauch nicht immer ordentlich abzieht und der Saunagänger deshalb auch mal schmutziger aus der Sauna kommt, als er hineingegangen ist. Doch das ficht den Esten nicht an, er liebt die Rauchsauna und wird den Ruß anschließend im Tauchbecken oder unter der abschließenden Dusche los.

Wirklich aristokratisch wird es, wenn man zwischen den Saunagängen im Ruheraum etwas von den zuvor geräucherten Leckerbissen nascht und dazu einen Viin nippt. Das regt Kreislauf und Appetit an, so freut man sich auf den nächsten Saunagang noch ein bisschen mehr.

Noch bis vor hundert Jahren waren Rauchsaunas auf jedem Bauernhof Estlands und in Nordlettland zu finden, erst dann ersetzten rauchlose Saunas nach und nach den Urtyp der Sauna.


Estnische Rauchsauna Video


Finnische Sauna

Die finnische Sauna ist der Klassiker und heute auch im Baltikum weitverbreitet. Auch in ihr erwärmt ein (elektrischer) Saunaofen den Schwitzraum bis auf 90°C und mehr bei sehr geringer Luftfeuchtigkeit.

Dampfsauna

Hierbei wird der Schwitzraum mit bis zu 70°C heißem Dampf erhitzt.

Naßsauna

Analog zum türkischen Hammam wird in dieser Sauna anstelle des Aufgusses deutlich mehr Wasser zum Verdunsten gebracht und erzeugt neben der Wärme des Raumes vor allem eine hohe Luftfeuchtigkeit bis nahezu 100%, die den Saunaeffekt verstärkt. Vorteil der Dampfsauna gegenüber der finnischen oder Rauchsauna ist die Temperatur im Schwitzraum, die deutlich niedriger liegen kann und dadurch energiesparender und bekömmlicher für Menschen mit geschwächter Konstitution ist.

Zu einem touristischen Highlight entwickelt sich der alljährliche Saunamarathon im südostestnischen Wintersportort Otepää, bei dem es gilt, als Team im Dauerlauf eine größere Anzahl von Saunen in kürzestmöglicher zu absolvieren. Bei dem Spektakel im Februar suchen die Saunafreunde ihren Weg von Sauna zu Sauna kaum bekleidet und nur mithilfe einer Umgebungskarte. Man fragt sich, wer bei diesem Anblick mehr friert - die Aktiven oder die Zuschauer.

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