Kaunas


Die zweitgrößte Stadt Litauens bietet Reisenden eine erstaunliche Vielfalt an Kunst und Kultur verschiedener Epochen und Richtungen. In Kaunas finden sich eine Vielzahl architektonischer Stile und Nuancen, ein großer Teil historischer Gebäude konnte durch die Zeiten bewahrt werden und lockt Reisende mit einem beeindruckenden Ensemble. Dazu ist Kaunas eine sehr grüne, fussgängerfreundliche Stadt mit einer jungen, gastfreundlichen Bevölkerung.

Viele litauische Künstler - Komponisten und Schriftsteller - stammen aus Kaunas, darunter der sehr bekannte Mikalojus Konstantinas Čiurlionis, ein Philosoph der Kunst, Maler und Komponist.
Kaunas geht auf eine Burg aus dem 14. Jahrhundert zurück, deren Reste Reisende noch heute in Augenschein nehmen können, die erste Erwähnung der Stadt datieren aus Chroniken von 1361. Sie war wegen ihrer strategisch günstigen Lage an der Via Baltica Ziel zahlreicher Angriffe der Deutschritter gegen die Litauer.

Im 15. Jahrhundert  erblühte die Stadt zu einem bedeutenden Handelsknoten zwischen der Hanse und dem Fürstentum Litauen. Von dieser Blüte künden noch heute die Kaufmannshäuser in der Altstadt von Kaunas, darunter Architekturperlen wie das gotische Perkünashaus (Donnergott) aus dem 15. Jahrhundert, die Jesuitenkirche, das Priesterseminar und der mittelalterliche Rathausplatz.

In der Altstadt können Reisende auch eindrückliche Beispiele der Jugendstilperiode bewundern, darunter die Hauptpost, das Musiktheater, die Freiheitsstatue oder das Vytautasdenkmal. Auf der zentralen Vinliaus gatve (Vilniusstraße) und der Laisves (Freiheits-) Allee kann man entspannt bummeln, shoppen oder in den zahlreichen Cafés das Stadtleben beobachten. An diesen beiden Straßen liegen auch zahlreiche Museen.

Im Herzen der Kaunaser Altstadt liegt das Teufelsmuseum, welches eine Sammlung von etwa 3000 Teufelsfiguren aus verschiedenen Materialien und Ländern präsentiert.

Eine wunderbare Sicht über die Altstadt und die Umgebung von Kaunas hat man vom Aleksotashügel, den man mithilfe der Standseilbahn erreichen kann. Von hier aus beeindrucken die Formate der Auferstehungskirche aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, des größten modernen Gebetsortes im Baltikum. Am Rande der Stadt sollten Sie die einzigartige Schönheit der Klosteranlage von Pažaislis am Ufer des sogenannten "Kaunasser Meeres" nicht verpassen, in dessen barocker Kulisse alljährlich klassische Musikfestivale stattfinden. Die Anlage wurde im 17. Jahrhundert unter Anleitung Florentiner Baumeister errichtet. Nicht weit vom Kloster entfernt befindet sich auch das Litauische Freiluftmuseum mit historischen Gebäuden aus allen Teilen des Landes, es zählt zu den größten Museen dieser Art in Europa.

Eines der geschichtlich imposantesten Museen in Kaunas ist sicherlich das Sugihara- Haus, in dem während der deutschen Besatzung das japanische Konsulat untergebracht war. Der japanische Konsul Chiune Sugihara stellte damals Visa für über 6.000 Juden aus, die so nach Japan flüchten konnten und so der Ermordung im Holocaust entgingen.

Was aus den Juden wurde, die sich nicht mehr retten konnten, darüber kann man sich heute an der Gedenkstätte "Devintas fortas" informieren. Hier wurden im Holocaust mehr als fünfzehntausend Juden aus Litauen, Deutschland und anderen Ländern Europas gequält und ermordet. Die Ausstellung berichtet über die Ermordung der Juden in ganz Litauen.

Die Gebäude des "Devintas fortas" (9. Fort) sind gleichzeitig Teil einer historischen Architekturformation aus einer früheren Epoche. Sie gehören zum gewaltigen Festungsring, der vor dem Ersten Weltkrieg im zaristischen Russland fertiggestellt wurde. Der Ring umgab die Festungsstadt Kaunas mit 8 Forts und 9 Batterien, die durch Mauern miteinander verbunden waren. In den Zwischenkriegsjahren, als Kaunas für zwei Dekaden litauische Hauptstadt war, diente das Fort als Gefängnis, welches die Sowjets nach der Besetzung von Kaunas sofort als Sammel- und Deportationszentrum für Oppositionelle nutzten.

Von der Festungsanlage sind heute nur noch Fragmente übrig, ist alles Militärische aus dem Stadtbild verschwunden. Statt dessen flanieren Studenten über die Fussgängerzone, bevölkern Touristen die Freiluftcafés der Innenstadt, herrscht entspannte Gemütlichkeit. Genau das richtige Ambiente zum erholsamen Reisen!
kaunas, litauen
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