Lemberg (Lviv, Lwow, Lvov). Die Hauptstadt Ostgaliziens

Städte und Regionen der Ukraine


Lembergs Einzigartigkeit lassen bereits die verschiedenen Namensbezeichnungen der Stadt (Lemberg - deutsch, Lwow -russisch, Lviv - polnisch und ukrainisch) erahnen. Sie zeugen von der bewegten Geschichte einer europäischen Region, die Jahrhunderte lang dem Einflussstreben unterschiedlicher Mächte ausgesetzt war.

Die ehemalige Hauptstadt Ostgaliziens war seit jeher Schnittstelle zwischen Ost und West sowie Nord und Süd. Hier siedelten Menschen unterschiedlichster Herkunft und Religion, die Lemberg nicht nur zu ihrem beeindruckenden architektonischen Gewand, sondern auch zu ihrem multikulturellen Flair verhalfen.

 

Mitte des 13. Jahrhunderts ließ Fürst Danylo Romanovych (Halytzkyj) genau an der Stelle, wo sich die Handelswege von Ost nach West und von Süd nach Nord kreuzten, eine Burg errichten, die er nach seinem Sohn Lew (Löwe) benannte. Schon bald entstand um die Burg eine Siedlung, die zu einer großen, bedeutenden und reichen Stadt heranwuchs.

Im Jahre 1340, nach dem Untergang des Kiewer Reiches wurde das Fürstentum Halytsch und somit auch die Stadt Lemberg in das Königreich Polen eingegliedert. Im Zuge der weiteren Entwicklung der Stadt zogen Händler, Handwerker, Künstler aus allen Teilen Europas sowie Kleinasiens nach Lemberg. Sie gaben der Stadt Reichtum, Macht und das einzigartige Flair.

Nach der ersten polnischen Teilung im Jahr 1772 fiel Galizien- Wolhynien an Österreich-Ungarn. Lemberg wurde Hauptstadt des Königreichs Galizien-Lodomerien und damit viertgrößte Stadt im Habsburgerreich. Unter Kaiser Joseph II. fand eine massive Ansiedlung Deutscher in Galizien statt.

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Zerfall der k.u.k. Monarchie besetzten die Polen wiederum die Stadt. Bevor die deutsche Wehrmacht während des 2. Weltkrieges im Jahre 1941 die Sowjetunion überfiel und Galizien dem Generalgouvernement für die besetzten polnischen Gebiete unterordnete, befand sich Lemberg vom Jahre 1939 an für kurze Zeit in sowjetischer Hand. Durch den nationalsozialistischen Terror in der Zeit der deutschen Besatzung wurde die jüdische Bevölkerung Galiziens fast vollständig vernichtet.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges im Jahre 1945 fiel Galizien mit Lemberg wieder der Sowjetunion zu. Es setzte eine riesige Vertreibungswelle ein, in deren Folge ein Großteil der polnischen Bevölkerung nach Niederschlesien umgesiedelt wurde. Ziel der sowjetischen Bevölkerungspolitik war es, die Westukraine zu russifizieren, um die traditionell starken Autonomiebestrebungen der ukrainischen Bevölkerung in dieser Region zu unterbinden.

Seit 1991 ist Lemberg die zentrale Metropole in der westlichen unabhängigen Ukraine.
 

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Heute gehört die Hauptstadt Ostgaliziens zu den schönsten Städten der Region. Der historische Stadtkern ist Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Das Lemberger Rathaus auf dem Marktplatz (Rynok) und viele historische Gebäude wurden in den vergangenen Jahren aufwendig restauriert und renoviert.

Es gibt viel zu entdecken: zahlreiche Paläste, Kirchen und Kloster künden vom Reichtum Lembergs in den vergangenen Jahrhunderten. Pittoreske Jugendstilbauten in der ganzen Stadt lassen das einstige Flair der k.u.k.- Periode lebendig werden. Einzigartige Renaissancebauten wie die Boimkapelle begeistern den Besucher mit wunderschönen Reliefarbeiten. In den Parks Lembergs kann man entspannen, spazieren, verweilen und entdecken. Besonders empfehlenswert ist der Besuch des Freiluftmuseums für Volksarchitektur und -gebräuche. Lemberg ist reich an Museen. Musik, Literatur, Religion, Architektur und Geschichte der Region Ostgalizien werden detailliert und unterhaltsam vorgestellt.

Für am jüdischen Vermächtnis Lembergs Interessierte lohnt ein Spaziergang durch die Altjüdische Straße im historischen Stadtzentrum, wo auch die Ruine der bekannten Synagoge "Goldene Rosa" zu besichtigen ist. In der Krakauer Vorstadt dient ein Besuch des Krakauer Marktes dazu, sich das Leben der jüdischen Händler besser vorstellen zu können. Auf dem Weg zum Markt entdecken Sie eine Synagoge, in der heute wieder jüdische Gottesdienste durchgeführt werden, und das Haus, in dem der bekannte jüdische Essayist Scholem Alejchem wirkte. Weiter läuft die Straße am Krankenhaus vorbei, das von dem bekannten jüdischen Mediziner Dr. Moriz Rappaport eröffnet und geführt wurde, zur lauten Gorodozka Strasse. Hier verlief die Grenze zwischen der polnischen und jüdischen Gemeinde. Auf der Nebengasse der Straße befindet sich die zur Zeit einzige tätige Synagoge Lembergs. Lohnenswert ist ein Besuch des Hauses der Organisation "Chesed-Arje", in dessen kleinem Museum Ihnen die Exponate die nicht mehr existierenden Welt der Galizienjuden näherbringen.

Dazu wächst und gedeiht in Lemberg eine lebendige Szene moderner Kunst. Unzählige Galerien entstehen und bieten zeitgenössische Gemälde und Skulpturen zum Entdecken und Besichtigen an. In den Kulturkellern der Stadt wechseln unzählige Jazz-, Rock-, Pop- und Klassikfestivals einander ab, mehrere Folkloreensembles bewahren und präsentieren die ukrainische Volkskunst. Die Lemberger Kulturszene ist in der ganzen Ukraine und über die Grenzen des Landes hinaus bekannt.

So schwillt der Strom der Touristen. Lemberg ist ein ukrainisches Musterbeispiel für die Kraft des Tourismus in einer Region. Unzählige Hotels aller Preiskategorien sind entstanden oder entstehen. Es gibt sehr viele Restaurants, Cafes, Kneipen und Biergärten, in denen der interessierte Reisende mit ukrainischer, galizischer oder einfach Lemberger Küche bewirtet und verwöhnt wird.

Und dann und wann passiert es: ein einfacher Reisender kommt hierher und verliebt sich unsterblich in die alte, junge wunderschöne Hauptstadt Ostgaliziens - Lemberg!

 

 

 

Lemberg Restauranttipps

Restaurant Buchara, vul. Furmanska  Dieses Restaurant bietet entspechend seinem Namen usbekische Küche. Dennoch möchten wir es empfehlen, da es mit angenehmer usbekischer Atmosphäre und sehr leckeren Gerichten eine willkommene Abwechslung ist. Die Bedienung ist sehr nett. Es gibt Räume für Raucher und Nichtraucher. Mittlere Preisklasse.

Restaurant "Pid zolotoyu Rozoyu" (Unter der goldenen Rose), vul. Starojewreyska  Die Inhaber des Restaurants huldigen der einstigen großen jüdischen Kultur der Stadt. Neben leckeren koscheren und unkoscheren Speisen sorgt das vielfältige Interieur und traditionelle jüdische Musik vom Band für ein sehr angenehmes Erlebnis. Am Ende muß dann um die Zeche gefeilscht werden. Dementsprechend obere bis mittlere Preisklasse.

Cafe "Franzishka", vul. Krakivska  An die schöne Gründerzeit mit ihren Kaffeehäusern möchte dieses Café anschließen. Obwohl zentral gelegen, ist es doch ein ruhiger und entspannender Ort mit sehr leckeren Torten. Mittlere Preisklasse.

 

 

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